Reisestatistik – Abschlussbericht

Immer bergauf - 15x haben wir theoretisch den Mt. Everest bezwungen in einem Jahr! Die gesamte Höhenleistung aufsummiert.

Nach einiger Zeit der Funkstille (mea culpa) kommen wir nun zum finalen Abschluss einer langen und doch kurzen Reise. Nach Vorstandstagung und der Klärung aller offenen Fragen mit den Aktionären präsentieren wir die Jahresabschlussstatistik. Böswilligen Gerüchten zufolge lag dies Zahlenwerk schon zum 25.12.2015 vor und wurde nur durch Untätigkeit des Vorstandsvorsitzenden, Herrn E. von Schweinehund, bis heute der Öffentlichkeit vorenthalten… Aber so nutzt er geschickt die Bedeutsamkeit des 3.7. für die Publikation. Rechtzeitig! Am zweijährigen Jubiläum des „Tag des Aufbruchs“ präsentiert er die geballte Tabellen- & Erkenntnisflut.

Einmal rund rum – das „Meil-O-Meter“

Darum ging es doch, oder? Einmal rund um die Welt zu fahren. Diese misst laut Wikipedia am Äquator zirka 40.000 km. Nach der „Halbzeit“, am südlichsten Ende von Südamerika, im Dezember 2014 sind wir zwar gut 6 Monate unterwegs gewesen und der Tacho – wir nannten es „Meil-O-Meter“ – zeigte bereit beeindruckende 40.480km. Zu diesem Zeitpunkt, zum Jahreswechsel 2014-2015 veröffentlichten wir die Halbjahresstatistik.

So viele Kilometer haben wir nach einem Jahr auf dem Tacho – jeder von uns…

So viele Kilometer haben wir nach einem Jahr auf dem Tacho – jeder von uns…

Mit dem Überschreiten der Datumsgrenze zum 31.12. ist der halbe Weg, die halbe Zeit vorbei. Ab jetzt ging es für uns immer nur noch gen Westen in Richtung Heimat sozusagen.

Meil-O-Meter. Ein Jahr unterwegs – und

Meil-O-Meter. Ein Jahr unterwegs – und „nur“ knapp 4% zu Fuß… Aber dennoch: 3.537km aus eigener Kraft!

Insgesamt schaffen wir es aber knapp etwas mehr als 3.500km in dem Jahr aus eigener Kraft unterwegs zu sein. Neben den vielen Flugmeilen ist dies der eigentliche Erfolg und selbstgesetztes Ziel gewesen. Ein Jahr lang draußen zuhause zu sein.

Wo und wie lange auf Tour

Daran hat sich nichts geändert: Die 96 Tage in den USA waren die Reiseintensivsten. Wir waren noch frisch und auf „Urlaub“ gepolt. Jeden Tag ein anderer Ort. Dies und das und noch was und bloß keinen Tag still stehen. Nach einigen Monaten entwickelt sich aber ein Alltag und wir nehmen das Tempo raus. Dennoch: im ersten halben Jahr machen wir 2/3 der Streckenkilometer – Flugdistanzen ausgenommen.

Links: Anzahl der Reisekilometer pro Land Rechts: Anzahl der Tage in den jeweiligen Ländern

Links: Anzahl der Reisekilometer pro Land
Rechts: Anzahl der Tage in den jeweiligen Ländern

Dann geht es gemächlicher voran. In den gut 50 Tagen in Nepal kehrt sich das ins Gegenteil. Fast nur noch zu Fuß erkunden wir das Kathmandu Tal und die Annapurna-Region.

PACE – der tägliche Fortschritt. In Kirgistan waren wir am fleissigsten und in den USA am mobilsten.

PACE – der tägliche Fortschritt. In Kirgistan waren wir am fleißigsten und in den USA am mobilsten.

Unterkünfte

Jeden Tag auf ein Neues stimmt natürlich nicht ganz. Es bleibt im Schnitt wie im ersten Jahr und wir sind in knapp 1/3 der Übernachtungen im Zelt. Draußen sind wir aber häufiger, den Yurten in Kirgistan oder „Guesthouses“ in Nepal sowie einige Übernachtungen im Auto zählen eigentlich hier hinzu.

Total days - Wieviel Tage wir in welcher Art von Unterkunft verbracht haben. 109 Nächte alleine im Zelt.

Total days – Wieviel Tage wir in welcher Art von Unterkunft verbracht haben. 109 Nächte alleine im Zelt.

Andere Länder andere Sitten bzw. auch Betten. Die Unterkünfte bleiben auch im zweiten Halbjahr vielfältig. In Neuseeland vermissen wir die preiswerte Motelkultur der USA und finden uns wieder in vollgestopften Hostels zu astronomischen Preisen. Das 5*Hotel in Las Vegas zum Schnäpchenpreis ist in weiter Erinnerung geblieben als das mit Abstand komfortabelste Bett in dem wir je genächtigt haben. Auch schön war die ausgeprägte und preiswerte Hostalkultur in Chile aber auch die sehr teuren Raten fürs Campen im Nationalpark Torres del Paine.
In Bangkok genießen wir die Gastfreunschaft von Freunden ausgiebig und fühlen uns sehr heimisch. In Myanmar können wir leider nicht ganz frei unsere Unterkünfte wählen, da uns nur die verhältnismäßig teuren Hotels mit Lizenz für Ausländer offen stehen. Nepal empfängt uns dann aber mit einer ausgeklügelten Guesthousekultur, die es uns ermöglicht selbst auf Höhen über 5.000m keine Zeltausrüstung mitnehmen zu müssen in der Annapurna-Region. Ganz anders kommt es dann noch mal in Kirgistan. In Yurten erleben wir noch einmal eine andere Art des Lebens jenseits der Stadt.

Total days - Wieviel Tage wir in welcher Art von Unterkunft verbracht haben. Nach Ländern unterschieden.

Total days – Wieviel Tage wir in welcher Art von Unterkunft verbracht haben. Nach Ländern unterschieden.

Reisekosten und Budget

Was kostet ein Weltreise?

Was kostet eine Weltreise?

Tagesausgaben pro Person und Land als Durchschnitt über alle Aufenthaltstage - die Kosten des durchschnittlichen Tagesbudgets im Reiseland.

Tagesausgaben pro Person und Land als Durchschnitt über alle Aufenthaltstage – die Kosten des durchschnittlichen Tagesbudgets im Reiseland.

Wie schon in der Halbjahresstatistik veröffentlicht, hat uns die USA wirklich gut gefallen. Aber auch in Chile haben wir wirklich gut gelebt. Auch findet Ihr dort Detail zu Bolivien und Argentinien – hier aber will ich mich doch eher auf die zweite Hälfte der Reise konzentrieren.

Dramatisch war für uns der „Lebenswandel“, als wir in Neuseeland zum 1.1.2015 ankamen. Wenngleich die statistischen Ausgaben von ca. 36€/d erst einmal kaum einen Unterschied zu Chile und Argentinien erkennen lassen. Bei den Kiwis haben wir zumeist in einfachsten Mehrbett-Hostel oder im Zelt geschlafen – in Südamerika in Hotels. In Neuseeland haben wir uns 2x einen Kaffee gegönnt, sind viel weniger gereist und haben uns teilweise von den free-food Trays in den Hostels bedient, während wir das beste Fleisch der Pampa auf den Tisch bekamen und jeden Abend in Chile mit einem guten Glas heimischen Weins begossen und zugleich auch noch mehr Strecken gefahren sind.

Zu erwarten war natürlich, dass mit dem Fortschritt der Reise nach Südostasien die Kosten erheblich verringern. In Thailand  hatten wir allerdings fast keine Kosten für die Unterkunft. Alles weitere zu den Unterkünften wurde ja schon beschrieben.

Was kostet ein Weltreise? Oben: Die Kosten nach unseren Erfassungskonten und den jeweiligen Ländern zugeordnet. Unten: die unvermeidbaren und globalen Kosten wie Versicherrungen und interkontinentale Flugverbindungen.

Oben: Die Kosten nach unseren Erfassungskonten und den jeweiligen Ländern zugeordnet.
Unten: die unvermeidbaren und globalen Kosten wie Versicherungen und interkontinentale Flugverbindungen.

Natürlich entstehen die wesentlichen Kosten bei den „großen drei“ Ressorts – Übernachtung, Transport und Unterkunft. Wenngleich in dieser Statistik noch keine Rückerstattung der Einkommenssteuer eingepreist ist, so bleibt aber doch ein erheblicher Teil an den unabwendbaren Kosten wie der Durchfinanzierung von Versicherungen oder ähnlichem hängen, die sich nicht haben stornieren oder haben aussetzen lassen. Zumindest die Beiträge zu den Berufsverbänden haben sich aufgrund geringer Einkünfte zeitweilig aussetzen lassen.
Auch die Kosten für Ein- und Auszug müssen berücksichtigt werden. Einige weitere Kosten sind dann schon direkt reisebezogen, wie die Versicherungs- und Visakosten. In der Summe fallen diese aber fast nicht ins Gewicht.
Die Kosten für die Interkontinentalflüge bestehen zu fast 40% aus der Flugverbindung zwischen AKL und SCL. (Aukland/Neuseeland – Santiage de Chile/Chile)

Transport

Die durchschnittlichen Kosten pro km der Flugsegmente (y-Achse), Lange der Flugsegmente (x-Achse) sowie Ges.Kosten (Größe). Dabei sind die grauen Dots die umgerechneten Kosten des Via-Fluges auf die direkte Distanz.

Die durchschnittlichen Kosten pro km der Flugsegmente (y-Achse), Lange der Flugsegmente (x-Achse) sowie Ges.Kosten (Größe).
Dabei sind die grauen Dots die umgerechneten Kosten des Via-Fluges auf die direkte Distanz.

Lediglich zwei Fluglinien – Quantas und LAN bieten diese Strecke an und dies auch noch im Codeshare. Ein Monopol. Wir haben monatelang die Preise beobachtet um am Silvesterabend eine der „preiswertesten“ Verbindungen buchen zu können. Der Regelpreis ist bei weit über 2.400€ anzusetzen. Der Kilometerpreis liegt somit bei knapp 20ct/km – dafür hätte man mit dem Auto fahren können, wenn nur der Pazifik eine Straße hätte…

Wie es so voran ging - Länder, Reisekilometer nach Verkehrsmitteln

Wie es so voran ging – Länder, Reisekilometer nach Verkehrsmitteln

“Transport Split”; welchen Anteil an der Gesamtheit der Kilometer pro Land hatte welches Verkehrsmittel?

“Transport Split”; welchen Anteil an der Gesamtheit der Kilometer pro Land hatte welches Verkehrsmittel?

Knapp 70% Anteil öffentlicher bzw. öffentlich zugänglicher Verkehrsmittel in den USA – das kann sich doch sehen lassen! Aber dennoch, gerade Oregon und der Südwesten sind nahezu ausschließlich sinnvoll per Auto machbar. In Bolivien war für die langen Distanzen dafür klar, das wir in Überland-Touristenbusse steigen. Der Süden und unsere Trekking Tour dagegen erforderten 4×4 Anwege. In Chile ist der Bus, der alles dominiert. Das Land ist eine einzige Nord-Süd Achse, die Verbindungen sind daher reichlich und günstig. Einzige größere Ausnahme ist die 4-Tage Seereise mit der Fähre von Puerto Montt nach Puerto Nathales. Argentinien ist ähnlich, allerdings zu ganz anderen Preisen, wie bereits beschrieben.

Zu Fuß

Ok, wir sind keine Ledertramps, aber auf so einer Trekking Weltreise kommt so einiges zusammen. Ein Jahr unterwegs – und „nur“ knapp 4% zu Fuß. Das sind aber dennoch 3.537km aus eigener Kraft! So viel sind wir beide natürlich sonst noch nie unterwegs gewesen. Vor allem sind wir stolz auf die 550km in Nepal mit bis zu 5.500m Höhe.

Mit Sack und Pack - Gesamtheit der gelaufenen Kilometer je nach Land

Mit Sack und Pack – Gesamtheit der gelaufenen Kilometer je nach Land

Wir sind auf der Reise ja so einiges an Ausrüstung, Sack und Pack losgeworden. Haben optimiert, Dinge nach Hause gesendet oder haben einfach so manches zurück gelassen. Im Schnitt sind unsere Tageskilometer dadurch und auch durch steigenden Trainingsstand um ca. 4km pro Tag gestiegen. Zugleich sind wir aber natürlich in der Stadt träger geworden und haben es langsamer angehen lassen.
Mehr als 32km haben wir bei vollem Gepäck jedoch nie erreicht.

Oben: Tageskilometer, mit Peak im September auf dem PCT (Pacific-Crest-Trail) und Makarora (NZL) Mitte: Höhenmeter Auf- und Abstieg pro jeweiligem Tag Unten: Höhenmeter Auf- und Abstieg kombiniert pro jeweiligem Tag mit Peak am Annapurna Base Camp (Mai), Thorung La (Apr) und Glacier NP (Jul)

Oben: Tageskilometer, mit Peak im September auf dem PCT (Pacific-Crest-Trail) und Makarora (NZL)
Mitte: Höhenmeter Auf- und Abstieg pro jeweiligem Tag
Unten: Höhenmeter Auf- und Abstieg kombiniert pro jeweiligem Tag mit Peak am Annapurna Base Camp (Mai), Thorung La (Apr) und Glacier NP (Jul)

Das Auf- und Ab in den verschiedenen Ländern ist zwar nur bedingt gut nachgewiesen, da natürlich die Reisetage hier nicht im einzelnen von uns dokumentiert worden sind. Dennoch gibt es ein interessantes Höhenprofil in dem man vor allem die großen Unterschiede in Nepal sich offenbart und auch das konstant hohe Niveau in Bolivien.

Höhenprofil in den jeweiligen ländern nach Reisetagen

Höhenprofil in den jeweiligen Ländern nach Reisetagen

Summiert man alles auf, dann kommt man zu der interessanten Erkenntnis, dass wir – so zumindest theoretisch – den Mt Everest 15x bestiegen haben. Steile Ansage!

Immer bergauf - 15x haben wir theoretisch den Mt. Everest bezwungen in einem Jahr! Die gesamte Höhenleistung aufsummiert.

Immer bergauf – 15x haben wir theoretisch den Mt. Everest bezwungen in einem Jahr!

Immer bergauf - 15x haben wir theoretisch den Mt. Everest bezwungen in einem Jahr! Die gesamte Höhenleistung aufsummiert.

Die gesamte Höhenleistung aufsummiert.

Verkehrsmittelkosten

Kosten ausgewählter Verkehrsmittel ja nach Land sortiert und konvertiert nach ct€ pro km

Kosten ausgewählter Verkehrsmittel ja nach Land sortiert und konvertiert nach ct€ pro km

Unsere Befürchtungen, dass unser langer USA Aufenthalt uns u.a. in Hinsicht auf die Transportkosten zu viel Geld kosten wird war ja enttäuscht worden. Gut für unsere Reisekasse und erstaunlich auf den ersten Blick. Die USA schaffen es mit Ihrer Angebotskultur zeitgleich die günstigsten wie aber auch einige der eher teureren Verkehrsmittel bereit zu stellen. Dritte-Welt-Länder wie Bolivien, Nepal oder Myanmar haben – solange  man auf öffentlich verfügbare Verkehrsmittel setzt extrem niedrige Preise. Das verkehrt sich ins Gegenteil, wenn man mal auf private, individuelle Transporte angewiesen ist. Allgemein hoch sind die Preise in Ländern mit angeschlagener Wirtschaft wie Argentinien oder Neuseeland. Mehr als nur preiswert – geradezu spottbillig war es dafür in Kirgistan. Mit einer Heerschaar von einigermaßen vertrauenswürdigen und gut gewarteten Mercedes Sprintern funktioniert das gesamte Land.

Wie es so voran ging. Was der Transport im Schnitt kostet je nach Verkehrsmittel und Land.

Wie es so voran ging. Was der Transport im Schnitt kostet je nach Verkehrsmittel und Land.

Im tatsächlichen Schnitt der Verkehrsmittel, also nicht nur den theoretischen Kosten pro km, sondern den tatsächlichen Kosten für die jeweilige Reisestrecke zeigt sich, dass Argentinien und Neuseeland für uns im Transport die teuersten Länder waren mit fast 13ct/km im Schnitt. Das Hochpreisland USA ist billiger als Thailand und nur knapp über Chile oder Myanmar. Kirgistan ist preiswerter als Bolivien oder Nepal, bei viel viel sichereren Straßenbedingungen und Fahrzeugen.

Und zum Schluss

So, das war´s von der Statistikfront. Endgültig. Vorerst…
Danke für die Aufmerksamkeit.

Veröffentlicht von

www.arcx.de

Hello, I’m Marcus Griebel–Architect and Explorer with a passion for communication design.

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