Tian Shan Trek – Terskej-Alatau-Traverse von Jeti-Öghüz nach Karakol, Altyn Arashan und Ak-Suu

Aufstieg zum Ala-Kol

Schon sieben Wochen ist das hier her; Längst sind wir wieder im Alltag angekommen bestehend aus Wohnungsanzeigen, Behördenchaos und der täglichen Suche nach Dingen. Dingen, die von uns eingelagerten Habseligkeiten, von denen wir während der Reise glaubten sie nie wieder benötigen zu werden. Welch ein Trugschluss. Aber das soll uns nicht davon abhalten euch auch noch von den Geschichten zu erzählen, die uns in den letzten Wochen unserer Reise widerfahren sind.

Karakol hat vier verschiedene Plätze an denen Minibusse abfahren – unsere Richtung angeblich am Bazar. Dort angekommen werden wir mitten hinein gestoßen in das Wuseln und treiben, das Handeln und Feilschen eines asiatischen Bazars und erwartungsgemäß finden wir nix. Also keinen Bus oder eine Haltestelle, werden aber sofort erspäht, als Touristen ausgemacht und überschüttet mit Angeboten uns hierhin oder dorthin kutschieren zu lassen. „Jeti-Öghüz? (Джети-Огуз)“, “ Sanatorium?“ Ein Kirgise mit zweifelsfrei halbseriösem Aussehen und bedingt verkehrstauglichem Audi 100 will uns fahren. Alles klar, los gehts!

Überall diese Wacholdersträucher

Überall diese Wacholdersträucher

200 Som, also zirka 3€ soll die Fahrt für die knapp 30km kosten, das machen wir mit ihm aus. Nur lässt er uns nach dem Einladen der Rucksäcke erst einmal warten. Wir fragen nach – mit Händen und Füßen, wie es so schön heißt, „collectivo“ ist seine Antwort. Ach so, verstanden. Vier Personen und wir zahlen 200 Som, wollen wir gleich los, dann kostet es 500Som. Komische Mathematik, aber wir warten schicksalsergeben. Nach 20 Minuten hat unser Fahrer zwei Männer aufgetrieben, die wohl auch nach Jeti-Öghüz wollen. Alle drei sind so Ende 50 und in ihren Gesichtern, gegerbt von Wetter und Vodka blitzt der eine oder andere Goldzahn, oder es klafft eben wahlweise eine fette Zahnlücke. Es geht los, doch nicht ohne zuvor an der nächsten Tankstelle halt zu machen. Die Bezahlung wird erbeten um erst einmal Sprit zu tanken.
Ja, in dieser Disziplin gleicht der Kirgise doch sehr dem Nepali, denn auch hier gilt die Devise: bloß kein totes Kapital im Tank schlummern zu lassen. Und so werden ganze sechs Liter gezapft. Benzin ist hier nicht sehr teuer, 35 Som kostet das Normalbenzin. Ja, hier ist nicht alles „super“, es gibt noch normal für umgerechnet ca. 52ct. Dabei kann man aber auch gelegentlich gelbe 10l Kanister am Straßenrand sehen. Da wird illegal und in Kleinmengen Fassbenzin aus Kasachstan verkauft, das im Nachbarland noch viel preiswerter sein soll. Ich erinnere mich an Katar, da kostete der Liter Super kaum 29ct, bedenkt man dabei das BIP von 90.000$, dann verschenken die im Prinzip den Sprit – doch nicht so hier. Das durchschnittliche Einkommen der Kirgisen beträgt kaum 1.180$ (GDP p.cap, 2012).

Wir fahren also nach Jeti-Öghüz, die Einheimischen unterhalten sich eifrig. “ ushul chailöm kaida jatsan bolubu?…“ ich kann ja kein kirgisischen, aber so hört es sich an. Der Fahrer nickt so halb nach hinten: „Grrmanski…“, die anderen lachen. Oha, es geht also um uns. Bestimmt haben sie so was gesagt wie: “ Ja, die Kleine ist ja ganz nett, die kann bestimmt gut putzen und kochen. Ach was, was willste denn mit der? Die Frauen aus Europa lackieren sich doch den ganzen Tag die Fußnägel. Aber was machen wir mit dem Typen?“, „Ach, den lassen wir im Wald verschwinden. Die Bären kümmern sich um den Rest…“
Ja, genau das haben die bestimmt gesagt. Überhaupt, dass es hier Bären gibt haben wir so ganz nebenbei erfahren. Kein Bohei wie in den USA, keine Bärenkanister, Bärenspray und Bären-Survival-Einweisung. Wir sehen sogar einmal Spuren im Schnee, mächtige Pranken kann ich nur sagen.

Aber anscheinend haben sie vor mir Angst bekommen, nicht die Bären, die Kirgisen, denn erst steigt der eine aus, dann der andere und dann fährt uns der Taxi Mann doch noch fast bis zum „Korort-Sanatori“ von Jeti-Öguz. Wir machen ein paar Fotos von der Sieben-Bullen-Steinformation. Rucksäcke auf, los gehts.

Gefahr Murmeltierhöhlen

Gefahr Murmeltierhöhlen

Irgendwie ist der erste Tag immer lang aber dafür belohnt das lange Tal mit seinen vielen schönen Ausblicken. Viele der Kirgisen beziehen gerade ihre Jurte. Aus dem einstig ständig umherziehenden Nomadenvolk ist eine Kultur der zwei Jahreszeiten geworden. Im Winter im Haus unten im Tal und im Sommer die Jurte mit Vieh oder als Hotel für Touristen.
Wir treffen Ben aus Deutschland und Maria aus Rumänien. Beide auch Weltreisende, nur sehr anders als wir. Sie sind Straßenmusiker, verdienen sich so ihre Reise gehen das ganze sehr viel einfacher und weniger organisiert an, als wir. Man kann ihre Reise auch nachverfolgen auf dem Blog wonderlusters.

Wir haben einige schöne Tage mit Lagerfeuer und tollen Sonnenuntergängen. Am vierten Tag steigen wir in das Teleti-Tal ein um am Folgetag unsere Passquerung des Teleti auf 3.750m anzugehen. Wir sind ja gewarnt worden, dass einige der Pässe noch „etwas“ verschneit sein sollen. Auch, das wir möglicherweise einige der ersten wären, die dies in diesem Jahr versuchen würden – klingt nach Abenteuer, nicht?

Es geht gemächlich voran. Erst durch Weideflächen, dann in ein Hochtal. Mal Nieselregen, dann brennt die Sonne wieder unablässig. Jacke an, Jacke aus… Wir machen noch einen steilen Aufstieg und suchen uns mit etwas Hanglage ein Quartier, damit am Folgetag nicht mehr ganz so viele Höhenmeter gemacht werden müssen.

Was eine Quälerei zum Weg auf den Teleti-Pass

Was eine Quälerei zum Weg auf den Teleti-Pass

Früh brechen wir auf und gleich geht es richtig steil bergan. Vorbei an einer Moräne und dann… Schnee kurz vor dem Pass und nicht zu knapp. Das Gelände weitet sich zu einer Senke und nur zum Pass, den man schon am gegenüberliegenden Hang sehen kann wird es noch mal steil. Nur wie dahin kommen? Die ersten Versuche scheitern. Schwupp sinke ich bis zur Brust ein. Extrem lockerer, aufgeweichter Schnee ohne eine Chance einfach von A nach B zu kommen. Wir entscheiden uns für einen Umweg und navigieren von Boulder zu Boulder und machen nur kurze Strecken im Schnee. Das kostet Zeit und Kraft. Hier und da müssen wir Improvisieren, den Rucksack per Packriemen in einen Pulka verwandeln und hinter uns herzerren, damit nicht so viel Gewicht auf den Füßen lastet. Sonst können wir uns nicht aus den Schneelöchern befreien.
Gerade der letzte Hang lässt uns schier verzweifeln, hier müssen wir abwechselnd steile und rutschige Schieferflächen hinauf kraxeln um dann wieder Schnee zu haben und diesmal am Hang. Aber wir schaffen den Pass – nur wird es auf der anderen Seite leichter? Total erschöpft machen wir Pause, zumindest hat das Wetter gehalten.
Wie hoch, so auch runter. Britta zerschneidet sich die Hosen an einem Felsen und kaum glauben wir ein paar Schritte tun zu können, sind wir wieder bis zur Brust im Schnee. An mir ist alles nass. Wir gehen ab, soweit bis sich die erste echte Wiese zum Campen zeigt und liegen erschöpft in der Sonne.

Mittagessen im Zelt. Draussen schneit es schlieslich

Mittagessen im Zelt. Draussen schneit es schlieslich

Je weiter wir absteigen am kommenden Tag, desto schlechter wird das Wetter. Erst Regen, dann Hagel, dann Schnee. Nach nur 4 Std suchen wir gerade im Tal angekommen ein Lager. Alles nass, die Temperatur ist Mittags auf unter Null gefallen – am Vortag hatten wir locker 25°. Schnell ins Zelt, draussen wird es immer ungemütlicher. Sogar so ungemütlich, dass wir uns entscheiden den ganzen nächsten Tag hier auszuharren. Dann endlich, nach 36h Winter wieder besseres Wetter.
Wir wollen eigentlich noch via Ala-Köl See und Pass ins nächste Tal, doch davon lassen wir ab. Wir steigen bis kurz vor den See und am übernächsten Tag ab. Die Tour müssen wir anders fortsetzen…

Drei Tage Aufenthalt in Karakol, Wetter aus sitzen, Wäsche machen und Vorräte aufstocken, dann geht es weiter.
Wir brechen erneut auf, diesmal zum zweiten Teil der Traverse. Die Pässe sind einfach noch zu stark verschneit um auf Höhen über 3.800m von Tal zu Tal zu queren.

Nach dem Steinschlag, eine Matschschlacht

Nach dem Steinschlag, eine Matschschlacht

Ausnahmsweise finden wir am Bazar die Mashrutka #350 gleich auf Anhieb, die uns nach Ak-Suu und damit zum Ausgangspunkt der Tour bringt. Keine 20 Minuten später stehen wir am Taleingang nach Altyn-Arashan (Алтын Арашан). Wenngleich im Gegensatz zum Karakol-Tal hier kein Nationalpark ist, so kommen wir jedoch in den nächsten 4h an einer ganzen Reihe von Rastplätzen, Bänken und Hinweisschildern vorbei – natürlich in kyrillisch. Es hat den Anschein, das hier touristisch doch mehr los ist, als in den parallel verlaufenden Tälern. Flott gehen wir das Tal an, denn ab Nachmittag gab es in den vergangenen Tagen immer wieder zuweilen kräftige Gewitter mit Hagel. Doch der Tag bleibt sonnig und kühl. Altyn-Arashan hat einige radonhaltige Thermalwasserquellen und zieht eine ganze Menge Touristen an. Kurz vor dem halben dutzend Häusern kommen uns zwei alte Militärlaster entgegen, die zu Touristenbussen umgerüstet wurden. Sie quälen sich mühsam aber beständig die extrem steinig und steile improvisierte Piste hinauf.

Argh ist das hel! Augen zu, Zweiter Versuch. Schneeaufstieg zum Teleti-Pass

Argh ist das hel! Augen zu, Zweiter Versuch. Schneeaufstieg zum Teleti-Pass

Wir gehen aber weiter das Tal hinauf und haben einige Mühe in dem intensiv mit Vieh bewirtschaften Tal einen Zeltplatz zu finden. Es ist kalt und windig und wir entscheiden uns mal wieder direkt aus dem Zelt heraus was zu kochen. Da versagt schon zum zweiten Mal unsere Pumpe für den Benzinkocher. Es lässt sich kein Druck in der Brennstoffflasche aufbauen, weil das Gummi in der Pumpe zum einen porös ist und sich zum anderen von seiner Halterung löst. Dummes Problem, dessen Ursache in Chile liegt, denn dort wurde uns einmal statt Reinbenzin vermutlich Verdünner angedreht. Das hat wohl den Dichtungen geschadet und nun sitzen wir hier, fernab von Ersatz oder Alternativen, angewiesen auf einen Kocher. Milchreis sollte es geben; also sammeln wir fix Totholzreste im nahe gelegenen Wald, Tannenzapfen und alles was irgendwie trocken ist, denn es hat die vergangenen zwei Tage ja nur geregnet… Wir haben unsere liebe Mühe ein Feuer in Gang zu bekommen, aber irgendwann zündet es und wir haben doch noch etwas warmes zum Essen. Ich klebe die Dichtung direkt auf die Halterung und hoffe das diese improvisierte Reparatur zumindest bis zum Ende der Tour hält.

Es war kalt in der Nacht, sehr kalt. Die Wiese ist überfrohren und auch das Zelt ist steif vom Frost. Heute machen wir im Tal nur eine Tour mit leichtem Gepäck, lassen Zelt und Ausrüstung zurück. Später bauen wir das Zelt ab und beziehen am Einstiegspunkt in die Passquereung unser Lager. Es ist noch früher Nachmittag, aber wir bekommen die Zeit gut rum. Suchen Holz für ein Feuer, kochen ein Biriyani mit Lachs aus der Dose, trinken Tee und ich lese eine Ausgabe des Spiegels aus dem Herbst 2009, die ich in Karakol in unserem Guesthouse gegen meinen ausgelesenen Michael Criton eingetauscht habe. Außerdem repariere ich noch meine Trekking-Stöcke, deren Verklebung am Griff sich gelöst hat – zum zweiten Mal. Irgendwie fällt nach 11 Monaten alles auseinander denke ich, während ich auf die beiden Löcher in je rechtem und linken Strumpf blicke.

Jogurt Leckereien bei "Tori"

Jogurt Leckereien bei „Tori“

Wieder eine Nacht mit Frost, aber wir brechen früh auf, denn der Tag kündigt sich an lang zu werden. Auch ist der Einstieg in das Tal vom Anyr-Tor wieder steil und fordernd auf den ersten 300 Höhenmetern. Viele der Täler hier sind Hängetäler, haben also wie eine Art Abbruchkante zum Haupttal und an der Stelle wird es steil. Weiter oben breitet sich vor uns eine ausgedehnte Hochweide aus, der wir für einige Kilometer folgen können, bevor wir steil in den Passhang einsteigen. Roter, lockerer Schutt erschwert die 650m Höhe die wir noch überwinden müssen. Oben angekommen haben wir zum ersten Mal einen Einblick in das schöne Ak-Suu Tal. Es ist nur eine kleine Schneewechte zu überqueren und mehrere kleine Altschneefelder – kein Vergleich zu der Passüberschreitung auf der ersten Hälfte der Tour hier vor einigen Tagen.

Nach einem flotten Abstieg werden wir kurz vor den Weideflächen im Talgrund von einem Schäfer abgefangen. Toris lädt uns sofort auf sein Zelt ein, wir müssen unbedingt seinen Joghurt und – ja, wir rätseln noch was es war – probieren. Später erfahren wir, das dies getrockneter Joghurt war. Sehr nett, sehr fein, im Austausch bedanken wir uns bei ihm mit einer von unseren eisernen Reserveschokoladentafeln.

Letzter Tag, Abstieg. Ein langer Weg hinab nach Ak-Suu und dem Bus nach Karakol.
Netter Tourabschluss, auch wenn uns der Schnee zwei von vier Pässen verwehrt hat.

Veröffentlicht von

www.arcx.de

Hello, I’m Marcus Griebel–Architect and Explorer with a passion for communication design.

8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Ihr Beiden,

    danke für eure schnelle und ausführliche Antwort!
    Wir haben die beiden, von euch empfohlenen, Blog Beiträge auch schon gefunden und auch das Wanderbüchlein vom Conrad Stein Verlag vor uns liegen. Nur die Karte fehlt uns noch. Danke für den Tipp. Wäre super wenn ihr uns die Adresse vom geographischen Institut in Bishkek noch durchgeben könntet.

    Wie ist es euch den generell mit der Sprache und dem schweren Rucksack gegangen, bzw. wieviel Gewicht hattet ihr den mit? Außerdem besitzen wir leider keinen Benzinkocher… Könntet ihr uns da einen empfehlen? Ansonsten würden wir trotzdem versuchen mit einem Gaskocher durchzukommen…

    Danke und beste Grüße

    Claudia + Daniel

    • Hallo,

      Das Geo-Institut heißt „Geo-ID“ und findet sich auf der Kiev Straße in Höhe der Hausnummer 107 in einem Hinterhaus im Erdgeschoss, ungefähr bei N42°.52.532′, E74°35.635′

      Wir haben und soviel kyrilisch angeeignet, das wir eine Speisekarte lesen konnten, ansonsten mit einer Zeigekarte oder mit Händen und Füßen.

      Weil wir ja auf einer Langzeitreise waren hatten wir natürlich noch dies und das dabei, in der Summe aber ca. 26kg. Mit dem Gaskocher hat es ja so seine Vor- und Nachteile. Wir waren mal in einem Laden der Kartuschen hatte, das war „Red Fox“ auf der Baitik Baatyr St.
      https://www.google.de/maps/place/Red+Fox/@42.8589884,74.6108956,18.5z/data=!4m2!3m1!1s0x0000000000000000:0xaf020f8a1b3f4e27

      Wir selbst haben einen primus omnilite ti und Bezin kostet in dem Land ja fast nix. Wenn Ihr häufig draussen seid amortisiert sich das… Ob Neu oder Gebraucht kommt ihr aber an einen msr whisperlite schon für weit weniger als die Hälfte ran.

      So, das wars. Habt Ihr noch fragen, dann immer her damit.
      Grüße. M+B

      • Hallöchen,

        vielen Dank nochmal dass ihr uns immer so schnell antwortet. Ihr seid uns echt eine große Hilfe! Und es sind tatsächlich noch ein paar Fragen aufgetaucht. 🙂

        Bezüglich Gas- oder Benzinkocher, überlegen wir jetzt doch noch uns einen Benzin anzuschaffen. Jedoch würden wir gerne noch wissen ob es auch entlang des Treks Möglichkeiten gibt Benzin zu bekommen und wieviel Benzin ihr immer so dabei hattet?

        Und was die Verpflegung betrifft so sind wir noch neugirieg was und wieviel ihr da so mit hattet. Ihr habt euch da ja wahrscheinlich vorort erst ausgestattet, wenn ihr schon länger auf Reisen wart oder?

        By the way – echt toll was ihr da auf eurer Reise gemacht und erlebt habt! Auch wir waren ein halbes Jahr unterwegs und haben Myanmar, Thailand und Nepal besucht….

        Liebe Grüße

        Claudia + Daniel

        • Hello again,

          also in Karakol solltet Ihr tanken, bevor Ihr auf den Trek aufbrecht – es gibt auch noch in Jeti Oguz oder in anderen Ortschaften Tankstelle aber man weis nie ob die Sprit haben oder offen sind. Meist ja, aber es bringt keine Vorteile damit zu warten. Unterwegs gibt es keine Möglichkeiten, aber im schlimmsten Notfall kann man sicherlich gegen ein paar SOM oder Schokoladentafel was bei einem Jurtenbesitzer tauschen. Ist aber wohl eher weniger Notwendig. 2 Personen, 10 Tage abends warm mit Tee und früh Müsli und Kaffee und so weiter sollten nicht mehr als 1,2l Benzin verbrauchen. Normales Benzin, kein Super oder mit zusätzlichen Additiven – kostet nicht mehr als 15ct pro Liter. Aber den Brenner soltet ihr „in der Zivilisation“ mal ausprobieren bevor es los geht.

          Verpflegung kann bestens in Bishkek gekauft werden. In Karakol gibt eher kleine Märkte und beschränkte Auswahl an Trek-tauglicher Nahrung. Wir haben hier für die ersten tage Mittags noch Käse, Wurst und BRot gekauft sonst nix. Klar kann man sich in Karakol auch durch den Bazar schlagen, aber im Zweifel braucht man dann dafür einen ganzen Tag. Schön ist aber, dass man alles einzeln bekommt und die Super-Saving-Familienpackung nicht kaufen muss.
          Wenn ihr aber auf Light-Weight Trekking Astronautennahrung ausweichen wollt, dass müsstet ihr natürlich von Deutschland aus mitnehmen. Auch Schokolade, Kaffee, Kakao, Couscous oder Milchpulver sind sehr schwer bis gar nicht zu bekommen – land-locked-country sage ich nur.
          Wir packen für Treks dieser Art mit mind 3.500cKal pro Person und Tag. Das sind je nach Nahrung 1,2-1,5kg pro Tag und 2Personen. Kommt ganz auf eure Diät an. Wir kamen von Nepal, der Flug von Kathmandu nach Bishkek war aber am preiswertesten via Istanbul nach Frankfurt und wieder zurück – da haben wir die Chance genutzt und haben tatsächlich das meiste von Deutschland mitgenommen. Klingt seltsam, war aber so.

          Noch was: Je nach Land und Behörden müsst Ihr extrem aufpassen, das der Brenner durch den Zoll geht. Alles was Treibstoffberührung hatte wir mit Argusaugen betrachtet.
          Wir haben das wie folgt gemacht: Brenner und Treibstoffflaschen mind 48h vor Abflug leeren und lüften. Demontieren und in getrennte Beutel verpacken. Die Flasche hat Britta eingepackt ohne den typischen Schraub-Sicherheitsverschluss (dann sieht das aus wie eine Trinkflasche) und ich den Brenner. Treibstoffpumpe kam zu den Werkzeugsachen (Leatherman und co) dann konnte man auf dem x-Ray nicht gleich sagen, das es ein Flüssigbrenner ist. ggf funktionieren Klo-Steine gut um den Benzingeruch zu Überdecken (brauchten wir mal. Dann aber alles 3x in Tüten, denn sonst riecht einfach alles nach Klo-Stein.

          Also, viel Spaß. Schreibt uns mal wie es war oder auch wenn ihr vor Ort noch was wissen mögt.

  2. Hey, bin im Zuge meiner Recherchen zu diesem Treck auf euren Beitrag gestoßen und finde ihn ganz toll. Vor allem die Bilder sind traumhaft. Danke dafür!
    Wir möchten diesen Trek im August gehen und da wollt ich fragen wann ihr genau den Trek gemacht habt und ob ihr irgendwelche Tipps für uns habt.
    Wär euch über jegliche Ratschläge sehr dankbar.
    LG Claudia

    • Hallo Claudia,
      Tja, der Trek ist ne tolle Sache und besonders jetzt, im Spätsommer, wirst Du weniger Probleme haben als wir über die Pässe zu kommen. Wir hatten ja noch erheblich mit Schnee und wiedrigem Wetter zu kämpfen. Du hast vielleicht auch schon auf den Outdoorseiten.net ebenfalls etwas zu dem Trek gefunden – dort gibt es u.a. einen Post oder bei Geo
      Grundlage der Reise war das Buch: Kirgistan: Terskej-Alatau-Traverse / Trekking im Tienschan: Von Kyzyl Suu nach Ak Suu. Trekking im Tienschan , darin ist diie Tour im wesentlichen beschrieben, wenngleich Reiseführer und Schreibstiel sehr eigenwillig sind. Auch ist die Beschreibung schon einige Jahre alt und hier und da nicht mehr ganz akkurat und aktuell – kann aber durchaus als Quelle herangezogen werden. Wichtig ist, das die im Buch abgebildeten Karten nicht aussreichend sind um die Route zu gehen. Eine Karte ist Grundvoraussetzung, denn die Wege sind nicht markiert. Karten bekommt man in Bishkek im geographischen Institut (Adresse kann ich bei Bedarf senden)
      Entgegen der „normalen“ Route sind wir ja ein Seitental später eingestiegen, bei Jeti-Öghüz. Das lag am Schnee auf den Pässen und sollte nun kein Problem darstellen. Dafür hatten wir den Vorteil die Steinformation der „Sieben Bullen“ zu sehen, die einem sonst auf der Tour verwehrt bleibt. Weiter ging es dann wie im Trekkingführer beschrrieben ins Teleti-Tal, Teleti Pass, Ala Kol und dann ins Karakol Tal zürück nach Karakol für uns. In einem zweiten Abschnitt sind wir erneut von Karakol aus nach Araschan gestartet und dann den Aschuu-Tor Pass genommen. Zurück ging es dann im Akk-Su Tal. Damit haben wir ca. 75% der Tour gemacht wie im Führer beschrieben. Auch in der Richtung, wobei einige Passanstiege schwieriger wären, wenn man die Tour gegen den Uhrzeigersinn, also von Akk-Su aus startend laufen würden.

      Weiter sollte man sich bewusst sein, das bei der Ausrüstung man nicht einfach so mit einem Gaskocher oder ähnlichem gehen sollte. Kartuschen sind im Land nahezu nicht zu finden (ein Geschäfft haben wir mal in Bishkek gesehen). Mehrstoff/Benzinbrenner ist hier die Wahl. (Fast) alles andere kann man sicherlich vergessen. Ansonsten ist von der Schwierigkeit, Geländetypologie, Natur etc das ganze rel gut mit dem Alpenraum vergleichbar und sollte keine sonderlichen Schwierigkeiten bereiten, wenn man es gewohnt ist eine Woche oder mehr im Gebirge zu sein.
      Also, schreib uns, was genau Du wissen möchtest und wir antworten diesmal in kürzester Zeit. Happy Trails, M&B

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