Karakol/Каракол – Anfang und Ende

Auf dem größten Viehmarkt Zentralasiens

Eines wollten wir jedoch auf jeden Fall noch mitnehmen – jeden Sonntag findet hier in Karakol der größte Viehmarkt Zentralasien statt. Hier werden bis zu 3.000 Pferde, Kühe, Schafe und Ziegen an einem Markttag gehandelt. Nur der Markt in Kashgar ist noch größer, aber das befindet sich dann ja schon in China.

Ein gigantisches Getümmel erwartet uns um 8h morgens. Sonst sind die Straßen in Karakol eher schläfrig und auch unter der Woche scheint nicht viel los zu sein, aber hier und heute sind alle unterwegs.

Da sitzen Junge Kerle im Kofferraum eines Lada und feilschen mit Passanten um die Schafe, die an die Stoßstange gebunden sind. Und dort, da schieben drei Männer eine Kuh durch die Hecktür eines Minibus. Einer ruft Passanten herbei, damit noch jemand mit anpackt, denn die Kuh mag nicht recht auf die Ladekante steigen, noch weniger mag sie sich durch die tiefe Luke in das dunkle innere des Minibusses quetschen.

Auf dem größten Viehmarkt Zentralasiens

Auf dem größten Viehmarkt Zentralasiens

Hier sind acht Ziegen an den Hörnern zusammengebunden, wie ein großes, unablässig „Mähendes“ Wagenrad drehen sie sich um die eigene Achse. Jungen, kaum älter als zehn reiten auf ausgewachsenen Hengesten an uns vorbei in die Mitte des zentralen Platzes. Hier werden die Pferde, Kühe und Ochsen an lange Gitter gebunden und um sie herum stehen junge und alte Kirgisen, vertieft feilschen sie um den besten Preis. Dabei halten und schütteln sich zwei die Hände so lange, bis der Deal perfekt ist. Sekunden später führt einer das Tier ab und schon ist es verladen. Hier, auf einem alten Ural LKW aus sowjetischen Militärbestanden oder dort auf die Pritsche eines Mercedes Busses, wie man ihn bei uns von der Autobahnmeisterei kennt. Hier und dort steht auch so etwas noch auf das Fahrzeug geschrieben, denn die meisten kommen gebraucht aus Deutschland.

Da verschwindet eine Ziege im Kofferraum eines Taxi. Schwups, da habe ich den Schwanz einer Kuh fast im Gesicht, weil sie recht rasant die Gasse herunter stürmt und der Alte, der sie am Strick hält nicht mehr ganz so flott Schritt halten kann. Der Boden ist ganz voll von Dung und Pferdeäpfeln, da pischt ein Schaf einem Kirgisen vor die Füße – nur gut, dass er Gummistiefel trägt.

Russisch Orthodoxe Karakakol

Russisch Orthodoxe Karakakol

Sonst ist Karakol für uns ein eigenwilliger Durchgangsort. Wir sind gleich drei Mal hier und haben irgendwie am ersten Tag der Ankunft schon alles gesehen. Aber dennoch genießen wir die Entspanntheit des Ortes, seine wenigen Restaurants und Cafés, rüsten uns aus für die kommenden Touren vor grandioser Bergkulisse. Ich bin mir sicher, das wir hier in ein paar Jahren, vielleicht im August noch einmal aufschlagen werden, als Ausgangspunkt für den Enilcheck Gletscher und eine Tour zum Merzbacher See, dafür ist es in diesem Jahr einfach zu früh in der Saison.

 

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