Pokhara, wo die Kühe auf der Straße ein Nickerchen machen

Kühe werden nicht angehupt

Ein kurzer Zwischenstopp sollte auch Pokhara werden. Geplant war Lebensmittel einkaufen und ab in die Berge. Doch dann kam das ein oder andere dazwischen. Erst hatte ich ein Telefontermin, der unseren ersten Aufenthalt verlängerte und dann…

Lakeside in Pokhara

Lakeside in Pokhara

Pokhara ist die zweitgrößte Stadt in Nepal, aber von der Struktur vollkommen anderes als Kathmandu. Neue Gebäude, breite Straßen, weniger Verkehr. Gehupt und gerotzt wird auch hier. Beides zu genüge. Die Touristen sammeln sich alle am Seeufer; die Lakeside lebt ausschließlich vom Tourismus. Ein Hotel neben dem Anderen, Restaurants, Souvenir Shops, Ausrüstungsläden mit Kopien jeder Namenhaften Outdoorfirma und dazwischen schmücken Reiseagenturen die Straßen. Letzter haben wir abgeklappert. Wir haben gefühlt jede einzelne Agentur besucht, auf der Suche nach einem Guide, der und in die Region „Lower Dolpo“ führen kann. Warum? Weil es Ausländern ohne Guide nicht gestattet ist den National Park zu betreten. Leider ist dass so gar nicht eine touristische Wanderung. Und kaum einer war schon mal dort. Keiner bis auf zwei Agenturen kann uns überhaupt was anbieten. Und der teuer zu bezahlende Guide braucht einen Guide, den wir bezahlen müssen, da Nummer 1 den Weg nicht kennt. Schlechter organisiert als Bolivien sind die Läden hier. Wir müssen dem Guide, Schlafsack, Zelt, Essen, ja sogar den Löffel und die Tasse stellen. Nein, dass kann nicht sein. Wir können den Guide ja mitnehmen und ihm zeigen wo wir lang müssen, denn Karten gibt es. Nur lesen können diese wohl nur die Ausländer, selbst in den Agenturen zeigen sie hier sinnlos darauf rum und können einem nicht einen Reisepfad zusammenstellen. Wir beschließen unsere Entscheidung auf nach unserem Trial auf dem „Annapurna Sanctury“ (davon mehr in einem zukünftigen Artikel) zu verschieben.

… Die Menschen trauen sich nicht mehr in ihre Häuser. In der Nacht nach diesem ersten Trek gab es ein erneutes Beben. Wir sind wieder in Pokhara und ich wache kurz bevor es passiert auf, weil die Vögel und die Hunde am durchdrehen sind. Ich drücke mich so fest ich kann an Marcus. Aus dem 5 OG fliehen? Das schaffen wir im Notfall nicht, denke ich mir. Auch bei dem zweiten Beben gibt es keine größere Schäden in Pokhara. Wie beschließen jedoch in ein weniger hohes Gebäude umziehen. Die kleineren Nachbeben rütteln uns ein wenig, aber keiner bricht in Panik aus. Wir treffen uns mit unserem Trekkingkollegen Thomas und seiner Freundin. Ein gemütliches Kaffeetrinken sollte es werden. Das ändert sich als das Gebäude einmal durchgeschüttelt wird. Die Menschen stürmen Richtung Ausgang. Wir haben es gerade mal geschafft aufzustehen. Die meisten Nachbeben sind nicht länger als 30sec. Doch dieses legt nochmal nach. Wir evakuieren nach draußen auf eine Wiese im Hinterhof. Seither habe ich das Gefühl, wir warten. Dies war dass letzte Beben 2 Tage nach dem großen verheerenden Beben, das ein Großteil des Weltkulturerbes Nepals zerstört hat.
In Pokhara, hat der Alltag wieder Einzug erhalten. Und wir warten. Warten auf Aussagen vom dem Annapurna Conservation ob der Nationalpark wieder geöffnet ist für unsere nächste Tour, warten auf Auskunft unserer Versicherung ob wir uns weiter in Nepal aufhalten dürfen. Wir trinken zuviel Kaffee, wir essen zu viele kleine und meist viel zu scharfe Leckereien.

An dieser Stelle möchte ich noch einen kleinen Nachtrag machen, da das zweite Beben in Deutschland wieder für Aufruhr gesorgt hat, während es hier zu Lande schnell wieder vergessen war. Natürlich ist schrecklich was passiert. Die Aussage der hier Lebenden ist jedoch: „Es war nicht eine Frage ob, sondern nur des wanns. Und das die Alten Häuser einstürzten das war abzusehen.“ Das sind die Menschen mit denen wir hier gesprochen haben. Die Menschen kaufen sich hier zu Lande für viel Geld Grund und bauen eine Hütte aus Stein auf. Nach und nach wachsen die Häuser in die Höhe. Mit schlechter Basis. Kein Bauamt, keine Normen. Das ist Nepal. Ein Land was schon immer auf zwei aufeinander zu treffende Kontinentalplatten liegt. Das war so, das ist jetzt so, das wird für immer so bleiben.
Die Berichterstattungen, die es ins deutsche Fernsehen schaffen, lassen uns teilweise den Kopf schütteln. Schafft man es nur die Aufmerksamkeit der Menschen zu erreichen, wenn man alles so sehr verschlimmert? Ich denke, hier ist das Aufeinandertreffen von verschiedenen Kulturen zu spüren, Improvisation kann hier manchmal effektiver sein, als ein von außen angelegter Plan, denn improvisieren ist das Leben, der Alltag der Nepalesen. Organisierte Schlachtpläne von außen können nicht umgesetzt werden, da es nichts mit der hier vorzufinden Realität und Denkweise der Einheimischen zusammengeht. Jedes Land wäre in einer solchen Situation überfordert gewesen. Seht euch LA in den USA an, die sagen das sie noch 30 Jahre brauchen um ihre Stadt erdbebensicher zu machen, und wenn es jetzt passieren würde wäre die Katastrophe vorprogrammiert. Doch was hilft dieses Wissen?
Wir durfte Nepal nun einige Wochen bereisen und wir wissen wie es hier um Stromversorgung und Straßennetz beschaffen ist. Marode, chaotisch, für unsere westlichen Vorstellungen unvorstellbar. Doch all das war schon vor dem Beben in einem nicht mit europäischen Standards zu vergleichenden Zustand. Und dann kommen aus allen Ländern mit allem guten Willen Helfer angeflogen und können nicht weiter. Die meisten Dörfer sind nur zu Fuß zu erreichen, es gab und gibt dahin keine Straßen. Und Strom, den gab es vorher schon nur stundenweise. In Katmandu kann am Tag bis zu 16 Stunden der Strom ausfallen. Ich weiß nicht wie oft wir im Dunkeln gesessen haben. Doch das ist so, und da ärgert sich auch keiner drüber. Die Medienvertreter sollten einmal die europäische Brille abnehmen und vielleicht endlich mal anpacken und die  Nation nicht verrückt machen.
Nun hat es zum zweiten mal gebet. Ja das verschafft schlaflose Nächte. Doch auch in Darmstadt hat es bei uns schon des mehrfachen gebet. Wir sind geblieben.
Und man beachte, dass kurz vor dem Beben in Nepal ein Zugunglück in den USA passiert ist. Auch wir saßen vor nicht ganz so langer Zeit in so einem Zug. Und die Zahl der Todesopfer war in diesem Fall sehr viel höher als in Nepal.

Überall auf der Welt kann was passieren. Wir haben uns dazu entschlossen die Welt zu sehen mit all ihren Vor- und Nachteilen. Gewisse Dinge muss man hinnehmen.

Veröffentlicht von

Ja, das bin ich


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