Interislander, Nelson und West Coast – vom Wirtschaftswald und Seelachsfarmen bis zur totalen Abgeschiedenheit

Sonnenuntergang

5 h aufstehen, das Schiff legt früh ab. Man, das sind wir ja so gar nicht mehr gewohnt. Termine, so früh am Morgen.

Auf zur Südinsel mit der Interislander Fähre

Mühsam schleppen wir uns zum Schiff, das so anders ist als unsere Navimag Fähre nach Patagonien. Viel größer, verschiedene Restaurants, Kaffeebars – eher ein Kreuzfahrtschiff irgendwie. Nur knapp dreieinhalb Stunden dauert die Fahrt von der Nord zur Südinsel. Draussen ists schön, aber auch so ganz und gar nicht aufregend. Eher ein bischen langweilig, wie irgendwie alles hier. Unaufregend würde ich sagen wäre das wohl treffenste Wort.
Alle stehen sie an der Reling, fotografieren wie wild. Links, rechts, klick, klick, klick. Ich tue mir schwerer überhaupt ein Motiv zu finden.  Wo ist es denn, das wunderschöne, einzigartige Neuseeland, von dem alle immer schwärmen, von dem uns alle erzählt haben? Nichts gegen die fotografischen Qualitäten von Wirtschaftswald und Seelachsfarmen. Aber was eben kommt, wird auch abgelichtet.
Ach wie schön, dass Ihr auch nach Neuseeland fahrt“, daß haben wir immer wieder gehört, aber für uns muss es sich noch bewahrheiten wie schön denn nun dieses Land ist – bisher eher enttäuschend, vor allem wenn man den Aufwand bedenkt, den wir getrieben haben um hierher zu kommen. Wir haben dafür ja unsere Option mit einem RTW (Round The World) Ticket zu reisen sein lassen müssen und uns zusätzlich frühzeitig auf ein fixes Ausreisedatum festlegen müssen, weil wir ohne Rückflug nicht hätten Visumsfrei einreisen dürfen.

Nelson

Wir erreichen Nelson am Nachmittag und wollen uns für zwei Nächte einquartieren um unseren ersten echten Trek hier vorzubereiten. Wieder einmal wird es schwierig ohne eigenes Fahrzeug an den Einstiegspunkt zu kommen. Der nächstgelegene Ort wird leider seit diesem Jahr nicht mehr von Bussen angefahren und selbst vor dort aus wäre es immer noch ein ganzer strammer Tagesmarsch bis zum Trailhead. Wir werden sehen…

Das Hostel ist irgendwie anders und seltsam. Wir dürfen aber kostengünstig im Garten campen. Dummerweise merken wir erst später das wohl die Mülltonnen bei ungünstiger Windrichtung etwas nahe sind. Als Entschädigung bietet das Hostel hier kostenfrei Brot. Danke, aber so ganz geht mir das auch nicht auf, denn es ist doch ein eigenwilliger Mittelweg zwischen Frühstück inklusive und eben nicht. Aber wir nehmen es natürlich gerne an und machen uns French Toast zum Frühstück.

Von unserem Wangapeka Trail schreiben wir ja schon an anderer Stelle. Weiter geht es danach an der Westküste entlang nach Süden.

Punakaiki Pancake Rocks

Also, wer mich kennt der weiß, dass ich auf Pancakes stehe. Nur werden die hier anders serviert.
Im Grunde fahren hier zwar alle vorbei, halten kurz an, ein- oder zwei Fotos – und weiter geht es. Wir bleiben eine Nacht und sehen uns das Schauspiel der Brandung in den ausgelösten Klippen bei Flut an. Es spritzt und sprudelt mächtig. Dazu noch ein ausgedehnter Spaziergang, eine Höhle mit Glühwürmchen. Hat sich doch gelohnt.

Hokitika

Zwischenstopp irgendwie. Wir haben den Bus verpasst. Am Geburtstagstag! So ein Mist. Dabei waren wir uns beide doch so, so sicher, dass er eben dann und wann fährt – und dann sind wir doch zu spät. Um dies zu realisieren benötigt es jedoch fast zwei Stunden beharrliches warten am Straßenrand. Er wird nicht kommen, das dämmert uns irgendwann. Kein Platten, keine ausgedehnten Pausen; nein, er war schon da und wir haben ihn verpasst. Daumen raus, fast noch mal anderthalb Stunden. Dann nehmen uns zwei lustige Italiener mit ihrem Ferienmobil mit. Wir hocken hinten auf dem selbstgebauten Bett während er nur mit Shorts an um die kurvigen Küstenstraße heizt. „Da hinten, links bei der Tür, da ist das Bier – gebt mir mal eins…“ Aha. Na super. Hat wohl auch schon welche gehabt, mittags, bei 30 Grad. Kein Gurt hinten, wozu auch – ist ja ein Bett, kein Sitzplatz. Kostet 150$, Strafe – pro Person versteht sich – wenn einen die Polizei kontrolliert und das macht sie wohl häufiger. Also ruft unser Fahrer mal dann mal wann, dass wir uns kleinmachen sollen, wenn gerade ein Gesetzeshüter auf der Gegenspur sich ankündigt. Wir kommen mit drei Stunden Verspätung an. Alles gut gelaufen und zum Abschluss des Geburtstages gibt es eine Jahresportion an gesättigten Fettsäuren in Form von einer mehr als ordentlichen Portion Fish&Chips.

Fox Glacier

Im Grunde wollen wir hier gar nicht halt machen. Was wollen wir an einem so kleinen Gletscher, wenn wir schon mit dem Perito Moreno einen der größten Gletscher außerhalb der Antarktis gesehen haben? Was sicherlich besonders an Fox und dem benachbarten Franz Josef ist, ist der direkte Übergang von Regenwald zur Gletscherwelt. Nur ist die hier lange nicht so eisig, wie erhofft – Gletschertouren sind weitestgehend ausgesetzt aufgrund zu stark abgeschmolzenen Flanken, erfahre ich aus den Nachrichten.
Wir machen hier Halt, weil uns unser Busunternehmen dazu zwingt. Die Busse kommen Nachmittags an, die Verbindung nach Süden ist aber erst am kommenden Morgen wieder möglich. So nutzen wir den Zwangsstopp für einen Abstecher an den Lake Matthison, in dessen spiegelglatter Oberfläche die Bergwelt sich eindrucksvoll die Schau geben soll. Leider nicht so recht heute, alles grau in grau.
Später erfahren wir im Hostel einmal mehr, wie anders wir gepolt zu sein scheinen. Das ist uns schon mehrfach begegnet, das sich Touristen im Hostel beim Smalltalk so gegenseitig hochstacheln. Manchmal geht das so, wie z.B. bei zwei deutschen Mittvierzigern :“…also Neuseeland ist besser als Südamerika, weil die Bungeesprünge höher sind…“ oder in unserem Fall sind es Kids Anfang Zwanzig die aufzählen das sie hier das Tatoo, dann den Skydive und heute Nachmittag einen „Heli-Flight“ über den Gletscher gemacht haben. Im Adrenalinschwangeren ist ja alles drin. Ich frag mich nur dabei drei Dinge; Erstens, ist es wirklich das worum es hier geht, verpasse ich dies gerade, weil ich es gar nicht wahrnehme? Zweitens, woher haben gerade die jungen Leute die Kohlen dafür, wo ich mir schon bei 60$ Entleihgebühren für ein Mountainbike in Rotoroa schwer tue während die Kids um mich rum für 140Euro sich ein vollgefedertes locker gönnen? Und zuletzt, kann man als Erwachsener wirklich so dümmliche Kriterien, wie die Höhe der Bungee Sprünge, als Vergleiche zwischen Ländern an den Tag legen?

Weiter down-south

Am kommenden Morgen fährt uns der Bus weiter entlang der immer spärlicher besiedelten Westküste. Die Inlandsverbindungen wurde erst vor wenigen Jahren asphaltiert und irgendwann begleiten die Strasse auch keine Strommasten mehr. Wer hier noch wohnt, der ist auf seinen Generator angewiesen. Bei Haast überqueren wir den Pass, der uns wieder Richtung Inland bringt. Keine halbe Stunde später hält der Bus in Makaroa. Wir steigen als einzigste aus. Unser Trek über den Gillespie liegt vor uns.

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www.arcx.de

Hello, I’m Marcus Griebel–Architect and Explorer with a passion for communication design.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Congratulation, auch wenn es schon länger her ist. Fish and Chips hat was, und wie schon bei Asterix und der Seher, wissen wir warum der Fisch in die Zeitung kommt! Wir hoffen das es Euch geschmeckt hat. Danke für Eure nachgelieferten Berichte und Eindrücke! Es ist und bleibt weiter spannend Euch zu folgen!

    Bleibt weiter gesund und erlebt weiter für uns!

    Gruß aus Frankreich mit viel Sonne im Schnee

    Dietmar

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