Immer tiefer in den Canyon – Zion National Park

Virgin River Canyon

„Lass uns noch bis um die nächste Ecke gehen“, … „Schau da vorne ist Licht. Lass uns noch bis da vor“, … „Wow, schau dir das an. Komm wir biegen hier nochmal ab“. Es treibt uns immer tiefer in den Canyon hinein. Die Füße wie Eisklumpen und die Beine haben seit Stunden Dauergänsehaut. Es kommt erneut eine tiefe Stelle und wir stehen fast bis zur Hüfte im eiskalten Gebirgsbach. Doch die Hoffnung auf den perfekten Sonneneinfall, senkrecht von oben in den Slot-Canyon lässt uns weitergehen.

Manchmal bis zur Hütte im Eiskalten Wasser

Manchmal bis zur Hütte im Eiskalten Wasser

Natürlich hätten wir auch wie der eine oder andere Tourist uns High-Tech-Canyoneering Schuhe leihen können, gleich zusammen mit einer Waathose oder noch irgendwelchen Kram für wahrscheinlich 50$ pro Tag, aber wir Sparbrötchen machen das einfach in kurzen Hosen und unseren wasserdurchlässigen Bootsschuhen. Das ist auch für ein oder zwei Stunden ganz ok, denn außerhalb des Canyons waren es zum Morgen schon schnell 30°C. Aber so nach einiger Zeit kühlen wir schon erheblich aus und so wird die einzige Biegung des Virgin River mit Sonneneinfall bis auf den Talboden zum wärmen genutzt – alle sitzen wie die Reptilien auf den Steinen und genießen das Licht. Das es noch kälter kommen kann erfahren wir einige Kilometer weiter flussaufwärts, als wir für wenige 100 Meter in einen vielversprechenden, noch engeren Seitencanyon einsteigen. Hier ist das Wasser noch mal ein paar Grad kälter. Diese roten, rund geschliffenen Sandsteinwände sind so beeindruckend, da vergisst man schnell die Zeit und vor allem die kalten Gliedmassen. Ok – Schluss jetzt. Wir gehen zurück.

Zion bietet von allem etwas von den engen Slotcanyons bis hin zu beeindruckenden Ausblicken in eine faszinierende Sandsteinformation. Gerade eine Mehrtageswanderung mit Übernachtung entlang der Wasserwege wäre ein hervorragender Abschluss gewesen, aber für deren Erkundung bleibt leider keine Zeit. Die Flugtickets nach Bolivien sind schon gebucht. Der Zion National Park stand leider erst am Ende unserer Amerikareise und vor allem ganz spontan auf dem Plan. Diesem faszinierenden Stück Erde hätten wir gerne etwas mehr Zeit geschenkt und auch den umliegenden Naturwundern wie Bryce- und Anthelope Canyon, die Arches und dem großen Meteoritenkrater südwestlich von Flagstaff. Aber nach knapp 100 Tagen in den USA müssen wir Weiterreisen, denn schließlich hält auch hier schon der Herbst Einzug. Aber wie ein Freund vor ein paar Wochen sagte: „Ihr braucht ja auch noch was, wenn ihr 60ig seit“. Also sehen wir es hier als einen Abschied auf unbestimmte Zukunft. Utah und Arizona haben noch so sehr viel mehr zu bieten.

Ja, was ist den da oben? Hier bekam Marcus seinen Trailnamen

Ja, was ist den da oben? Hier bekam Marcus seinen Trailnamen

Ach ja, da war noch eine Sache. Auf unseren Wanderungen haben wir ja erfahren, dass jeder ernsthafte Hiker hier in den USA eine „Trailnamen“ hat. Selbigen kann man sich aber nicht einfach geben – er wird einem von einem anderen Hiker verliehen. Am letzten Tag in Zion stellen wir uns auf um ein nettes Foto von einer der Sandsteinwände zu machen – Marcus in Erobererpose und Britta etwas abseits hinter der Kamera als ein paar Hiker und die Ecke kommen, verwundert stehen bleiben, mit nach oben sehen aber nichts sehen und sich wundern warum denn hier einer in klassischer Heldenpose wie eine Marmorstatue verharrt. Schwups da war er gefallen, er Trailname „The Explorer“ – nice!

 

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www.arcx.de

Hello, I’m Marcus Griebel–Architect and Explorer with a passion for communication design.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Gut zu verstehen, dass der Abschied schwer fiel, wirklich schöne Bilder. Aber die Pinguine warten ja auch auf euch! Viel Spaß im Süden, lg Ingrid

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